Danum Valley

24. Januar: Die drei Tage hier am Fluss waren eindruckvoll und doch entspannend und es hat nicht einmal geregnet!

Was meine weiteren Reiseverlauf angeht, sitze ich im Augenblick ein wenig in der Klemme. Soll ich das gute Wetter ausnutzen und sechs Fahrstunden wieder nach Westen zurückfahren um auf den Mt. Kinabalu zu steigen oder setze ich die eingeschlagene Richtung weiter nach Süden fort um eines der großen Naturschutzgebiete zu besuchen. Ich entscheide mich für die zweite Alternative und hoffe darauf, auf dem Weg zurück mit etwas Glück doch noch auf den Mt. Kinabalu zu kommen.

Mein Ziel ist "Danum Valley Conservation Area" und Ausgangspunkt dazu ist die Küstenstadt Lahad Datu, die man aber ansonsten nicht unbedingt besuchen muss.

Das Naturschutzgebiet, mit einer Fläche von einem Viertel des Landkreises Oberallgäu, ist Heimat von Orang Utans, Asiatischen Elefanten, Bantengs, Malaienbären, Nebelpardern, Bartschweinen und verschiedenen Hirscharten. Rund 430 Vogelarten kommen hier vor (ein Ziel für Sigi!).

Im Danum Valley gibt es zwei Übernachtungsmöglichkeiten. Ein sündteures Lodge (600€ für zwei Tage und drei Nächte) oder ein Forschungszentrum wo man zu wesentlich günstigeren Preisen unterkommen kann (130€ für die gleiche Zeit), allerdings im Schlafsaal und mit Selbstversorgung. Nach einigem Hin und Her gibt mir das Büro des Forschungszentrums in Lahad Datu Bescheid, dass im Bus noch Platz für mich sei.

Jetzt heißt es schnell packen und Lebensmittel einkaufen, denn in drei Stunden ist Abfahrt.

 

Ich denke, am besten wären Fertiggericht die einfach nur erwärmt werden müssen. Nachdem die Verkäuferin in dem kleinen Laden nur wenig englisch spricht verlasse ich mich auf die Bildchen und das wenige was ich lesen kann. Ich nehme zwei Tüten auf denen groß "Spaghetti" steht und zwei weitere mit der Beschriftung " Sweet and Sour Sauce" sowie zum Frühstück zwei verschiedene Sorten von Flocken. Eine Sorte mit Mais und eine Sorte mit Spirulina, die wie auf der Verpackung zu sehen ist, grün sind. Passend zum Regenwald, denke ich. Später erfahre ich, dass das ein Algenextrakt ist. Dazu noch ein Bündel Bananen, ein paar Nüsse und was Süßes.

So ausgerüstet fahren wir fünf Touristen, Tanja / Luke aus US, Linda / Robert aus Schweden und ich sowie zwei Angestellte des Zentrums mit dem dreimal wöchentlich fahrenden Versorgungsbus ins Field Center.

Nachdem Linda und Robert die teurere Variante mit Einzelzimmer gewählt haben, teile ich mit Luke einen 50-Betten-Schlafsaal, Tanja hat einen genauso großen Saal für sich allein.

 

Das Field Center entpuppt sich als weitläufige Anlage. In der Mitte ist das Visitors Center, am hinteren Ende der Straße dann Dining Hall, Besucherzimmer, Häuser für Mitarbeiter und Forschungseinrichtungen und entgegengesetzt liegen die zwei getrennten Schlafsäle und die ebenfalls getrennten Küchen, jeweils mit großen Veranden davor.

Frei bewegen kann man sich im Naturschutzgebiet nur auf zwei ausgewiesenen Wegen, für alle anderen Touren ist ein Guide vorgeschrieben. So unternehmen wir auch gleich am ersten Vormittag eine fünfstündige Tour zu einem Wasserfall nachdem wir um halb sechs den Sonnenaufgang, wieder einmal mehr hinter Nebelschleiern, von einer Baumplattform aus angeschaut hatten. Der Regenwald mit seinen riesigen Bäumen, den wild wuchernden und fremden Pflanzen ist absolut beeindruckend und mit jedem Meter wieder faszinierend. Ringsherum sind Tierstimmen zu hören, das Kreischen von Affen, das Krächzen und Singen von Vögeln und das laute Zirpen von Zikaden. Von allen hier vertretenen Tierarten bekommt man aber mit Sicherheit nur zwei zu sehen und auch zu spüren. Das sind die Stechmücken und die Blutegel. Kurz vor unserem Ziel, dem Wasserfall, bemerke ich ein Zwicken an meinem Bein. Trotz Wanderstiefel, langer Hose und darüber gezogener Gamaschen hat es einer dieser lästigen Plagegeister geschafft sich bis an mein Schienbein durchzuarbeiten und mich anzuzapfen. Luke entfernt ihn fachmännisch.

 

Ansonsten sehen wir nur eine Horde Silver Leaf Affen und das Schlafnest eines Orang Utans.

Zurück in der Küche gibt es die große Überraschung als ich meine Spaghettitüte öffne. Es ist nur Soße! Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich auch die anderen Päckchen als reine Soßen ohne feste Bestandteile. Also gibt es zum Mittagessen nochmals grünen Flockenbrei, aufgewertet mit zwei Bananen.

Tanja entdeckt im Kühlschrank eine angebrochene Packung Spaghetti und damit sind zwei Mahlzeiten für mich gerettet.

Am zweiten Tag machen wir morgens um sieben eine ungeführte Tour, allerdings ohne besonderen Tierbeobachtungen. Nach dem Frühstück ist bei mir Wäsche waschen angesagt und ein wenig relaxen am Fluss. Mittags sitzen wir dann zu dritt auf der Küchenveranda mit schönem Blick in die kleine Talsenke. Irgendwie sind wir ein wenig frustriert, denn wir hatten auf mehr Tiersichtungen gehofft und wissen nicht so recht was wir noch untenehmen sollen.

Da sehe ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung auf der Straße rund hundert Meter unter uns. Unglaublich! Es ist ein Orang Utan der da in aller Gemütsruhe über die Straße marschiert und sich auf eine kleine Baumgruppe zubewegt. Wir müssen ihn nicht suchen, er kommt zu uns.

Natürlich machen wir uns gleich auf die Pirsch und sehen den Orang Utan (ich nenne ihn jetzt eimfach mal "Bernie") wie er auf ein kleines Bäumchen klettert und unbeirrt anfängt von den Früchten zu essen. Obwohl wir uns bis auf 5 bis 10 Meter nähern lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Vermutlich kennt er die neugierige und mit seltsamen Geräten hantierende Verwandtschaft schon ein wenig.

Ohne wieder auf den Boden zu kommen hangelt er sich im Geäst über die Straße um auf der anderen Seite dann einen 20 m hohen und glatten Stamm mühelos zu erklettern. Dort oben in der Baumkrone beobachten wir ihn noch weiter zwei Stunden wie er sich ab und zu eine Frucht holt um sie dann genüßlich, möglichst im Liegen, zu verspeisen. Bernie scheint die Ruhe in Person zu sein, nur beim Klettern wird er erstaunlich flott.

Um fünf Uhr hört man plötzlich Äste knacken und er wird recht aktiv. Er bereitet sein Nest für die Nacht in der Baumkrone vor. Nach einer Viertelstunde ist er wohl fertig, denn es kehrt Ruhe im Wipfel ein. Bernie lebt nicht nur ohne Stress, er geht auch ausgesprochen früh zu Bett, denn es wird erst gegen sieben dunkel.

Laut Ranger, den wir noch befragen, sollte er etwa um sechs aufstehen. Wir, jetzt sind auch Linda und Robert dabei, die die gestrige Show verpasst haben, stehen also sicherheitshalber schon um fünf Uhr parat, aber Bernie lässt uns bis um acht Uhr zappeln. Aber erst schnappt er sich mal ein paar Früchte zum Frühstück. Dann geht es plötzlich wieder flott voran. Er klettert den hohen Stamm herunter und verschwindet im Straßengraben. Aber offensichtlich hat er schon einen anderen Baum im Auge und dazu muss er wieder auf die Straße zurück, und unversehens sieht er Robert vor sich, der da am Straßenrand kniet und fotografiert. Zuerst macht Bernie eine wischende Handbewegung, doch als das nicht fruchtet schnappt er mit einer schnellen Bewegung Roberts Fußgelenk. Alter Schwede, da zieht der sich aber schnell zurück.Bernie setzt sich gelassen an den angepeilten Baumstamm und macht den Eindruck als ob er ganz zufrieden wäre und nun erst mal überlegen muss, wie es weitergeht. Aber, wie gesagt, im Klettern ist er schnell und so ist er auch Ruck Zuck auf seinem Baum um dort wieder zu seiner normalen Geschwindigkeit zurückzukommen.

Als uns um halb zehn der Kleinbus abholt sitzt Bernie immer noch oben und ist vermutlich froh, dass der Besuch der lästigen Verwandtschaft endlich zu Ende ist.

Am Kinabatangan wäre ich glücklich gewesen einen Orang Utan von weitem zu sehen, und hier kommt er gleichsam von sich aus zu uns. Ein unglaubliches Erlebnis für uns alle.

Hier kommen noch ein paar weitere Bilder von Tieren, die hier unterwegs sind.

28. Januar: Dank einer günstigen Busverbindung kann ich mir die Übernachtung in Lahad Datu sparen und fahre

direkt nach Sandakan. Und kaum bin ich da, ist es wieder regnerisch hier. Nach zwei Tagen ohne Action, das habe ich von Bernie gelernt, fahre ich am Donnerstag bei strömendem Regen mit dem Bus nach Kota Kinabalu und schreibe den Berg jetzt endgültig ab. Ich werde noch einen Abstecher nach Miri in Norden von Sarawak machen.

 

Nachtrag: Auch wenn man sich in Danum Valley wie im Garten Eden fühlen kann, eine heile Welt ist es nicht mehr. Gerade habe ich eine englischsprachige Zeitung in die Hände bekommen und lesen müssen, dass im Einzugsgebiet des Naturschutzgebiets zehn vermutlich vergiftete Zwergelefanten gefunden wurden. Die Holz- und Palmölmafia schreckt vor nichts zurück und kennt keine Skrupel. Siehe auch der letzte Link (ueber Bruno Manser)auf der Seite Borneo 1.

Die Zahl der tot aufgefundenen Elefanten hat sich inzwischen auf 14 erhöht.