Bhaktapur

Bhaktapur liegt 13 km außerhalb vom Zentrum der Kathmandus. Zum Busbahnhof könnte ich zwar in einer halben Stunde laufen aber ich habe schon lange einem der Rikschafahrer versprochen seine Dienste in Anspruch zu nehmen. In Thamel sind sie dauernd auf der Suche nach Fahrgästen um ein paar Rupien zu verdienen, doch es ist Nebensaison und entsprechend ruhig. Mit Gopal habe ich mich schon oft unterhalten, seine Dienste aber immer abgelehnt doch heute kommt er am frühen Morgen schon zu einem Fahrgast und ich zu meiner ersten Rikschafahrt. Auf den holprigen Straßen und durch die Menschenmassen im “local market” muss er mit seinem alten Gefährt echt Schwerstarbeit leisten und sich oft mit ein paar Kraftausdrücken Platz verschaffen. Seinen Lohn, übrigens dreimal so viel wie die Taxifahrt von Bhaktapur zurück, hat er sich aber wohl verdient und unseren Spaß hatten wir beide.  

 

Auch der Durbar Square (Platz vor dem Königspalast) von Bhaktapur ist UNESCO Weltkulturerbe ebenso wie die Plätze in Kathmandu und Patan. Die Tempelanlagen datieren zurück bis ins 14. Jahrhundert. Wie Patan ist Bhaktapur von den Newar geprägt, 90 Prozent gehören dieser Ethnie an und sind Hindus. Bhaktapur war einst eine reiche Stadt da sie an der Handelsstraße von Indien nach Tibet lag. 

 

Losar 

Heute ist der 5. Februar und damit beginnt für die Tibeter ein neues Jahr, Losar, was nichts anderes heisst als " neues Jahr". Aber auch hier in Nepal ist es ein Feiertag, besonders für die Volksgruppe der Tamang. Auch die Gurung und Sherpa feiern Losar, aber zu jeweils anderen Terminen. Dass diese Volksgruppen wie die Tibeter Losar feiern hängt mit ihrer Herkunft aus dem tibetischen Raum zusammen und sie sind auch in der Mehrheit Buddhisten.

Auf einen großen Platz im Stadtteil Tudikel feiern die Tamang traditionell ihr Sonam Losar und das will ich mir nicht entgehen lassen, zumal ich durch meine Besuche im Dorf Amalbas wo vorwiegend Tamang leben, ein wenig mit ihrer Kultur vertraut bin. 

panepal.org

 

Ende Januar war im dt. Fernsehen ein Bericht zu sehen über eine Nepalesin, die in einem Waisenhaus Kinder von Frauen aufnimmt die im Haft sind. Finden solche Mütter keine geeignete Bleibe für ihre Kinder, dann müssen diese nämlich mit ins Gefängnis. Der Name der Frau ist Indira Rana Magar und Christa, meine Frau, hat diesen Bericht zufällig gesehen und mich dann gebeten näheres über dieses Projekt in Erfahrung zu bringen.

Indira hat schon 1990 begonnen sich um die Wiedereingliederung von Häftlingen, insbesondere Frauen, zu kümmern. Im Jahr 2000 hat sie "prisoners assistance nepal" (panepal.org) gegründet und inzwischen hat die Organisation 11 Heime für Kinder in ganz Nepal und an manchen Orten sie bietet freie Schulausbildung und Tagesstätten an. Die Heime auf dem Land sind weitgehend autark, d. h. sie bauen Reis und Gemüse an und halten Nutztiere und die Kinder lernen so auch gleich grundlegende Fähigkeiten. Der Spendenbedarf ist somit auch sehr niedrig. Aber nicht nur die Kinder, auch ihre Eltern werden durch Ausbildung und dem Erlernen von Fertigkeiten auf ihre weitere Zukunft vorbereitet.

Wer nähere Informationen möchte, hier ist die Adresse der Webseite : panepal.org

Indira hat allerdings Einschränkungen gemacht. Da sie nicht so viel Geld für die permanenten Aktualisierungen ausgeben möchte, sei die Webseite etwas veraltet. Neue Informationen postet sie inzwischen lieber auf Facebook. Der Link dazu ist auf der Webseite.

Bei der Besichtigung des Heimes "Firefly" in Kathmandu habe ich Indira Rana Magar getroffen und sie hat sehr ausführlich über ihre Arbeit berichtet. Sie hat ihr Leben völlig ihrem Projekt gewidmet und alles was ich sehe und höre macht einen vertrauenswürdigen und professionellen Eindruck. 

 

P. S. : Nachdem ich von dem Waisenhaus des Mr. Ganesh Nepali in Nagarjun keinerlei Rückmeldung, trotz Nachfrage, bezüglich des Kaufs von Fußballschuhen fuer die ich Geld gegeben habe bekommen habe, ist der Fall für mich erledigt. 

Bratabhanda

 

Vor drei Wochen habe ich eine Supari (Bethelnuss) überreicht bekommen und das ist traditionell eine förmliche Einladung zu einem festlichen Ereignis. Geschickt hat mir die Supari ein alter Bekannter namens Nirainjan aus dem kleinen Dorf Mulabari, was soviel wie Rettichgarten bedeutet. Anlass für die Einladung ist das Bratabhanda Ritual mit dem der Schritt eines Buben vom Kindesalter in das verantwortungsvolle Erwachsenendasein gefeiert wird. Früher schickte man die Buben dann in ein Ashram um von einem Guru unterrichtet zu werden.

Mit vier Familienangehörigen fahre ich dann am Tag vor der Feier nach Mulabari, das wunderschön in der Mahabharat Range (Vorgebirge zum Himalaya) liegt und einen herrlichen Blick auf die Langtang-Gebirgskette bietet. Die Vorbereitungen die dort im Gang sind erinnern mich an die Hochzeiten die ich in Amalbas gesehen habe. Zwei Ziegen und etliche Hühner sind bereits geschlachtet und werden gerade zerlegt und Gemüse aller Art liegt zur Verarbeitung bereit. Nirainjan und seine Frau Menuka widmen sich den bereits anwesenden Gästen, der Großvater und einige Helfer sind mit Kochen beschäftigt, nur Samrat, der Junge um den sich hier alles dreht, sitzt vor dem Fernseher und kassiert dafür einen Anpfiff vom Papa.

Am nächsten Vormittag wird ein Tisch auf den Vorplatz des Hauses gestellt, auf dem neben Speisen und Getränken auch Blumen, rot gefärbter klebriger Reis und weiteres Zubehör für die Zeremonie gelegt werden. Dahinter wird dann ein Sofa platziert auf dem Samrat, seine Schwester und sein kleiner Bruder Platz nehmen. Nun tritt ein Onkel mütterlicherseits, der üblicherweise die Zeremonie durchführen muss, in Aktion. Dieser Onkel heißt in Nepal mama und er greift jetzt zur Schere und einem Tablett in das er sorgfältig ein paar von Samrats Haar abgeschnittene Strähnen legt. Anschließend nimmt Samrat etwas abseits auf einem Stuhl Platz und hier geht es jetzt richtig zur Sache. Mit einem Rasierer beginnt der Mama seinen Schädel kahl zu scheren, nur am Hinterkopf bleibt ein kleines Büschel Haare stehen. Etwa um zehn Uhr ist die Prozedur beendet, mama nimmt den Jungen huckepack auf den Rücken und trägt ihn ins Dorf in den kleinen Tempel für eine kurze Zeremonie und ein Gespräch. Den Weg zurück geht Samrat dann in den Schuhen des Onkels, die ein paar Nummern zu groß sind aber wohl das Erwachsensein symbolisieren und die er den ganzen Tag über trägt. Nun nimmt er wieder neben seinen Geschwistern Platz und von den Erwachsenen erhält er als Zeichen des Segens ein Tika (rote Reiskörner auf die Stirn), Blumen auf den Kopf und ein Geldgeschenk und seine Geschwister ebenfalls. Während alle Anwesenden nach und nach mit Essen versorgt werden muss Samrat bis nachmittags um fünf hungrig vor seinem beladenen Tisch sitzen und auf die später eintreffenden Gäste warten um ihre Segenswünsche in Empfang zu nehmen. Dann wird natürlich ausgelassen mit Musik, Tanz und Rakshi gefeiert bis in die Nacht. 

Hochzeitsfeier


Meine Abreise nach Bhimkori verzögert sich um einen Tag da ich von Ramesh kurzfristig zu einer Hochzeitsfeier eingeladen werde. Der Sohn eines wohlhabenden Nepali der in Belgien mehrere Restaurants betreibt und einer Organisation für Nepali im Ausland vorsteht heiratet ein weitläufig mit ihm verwandtes Mädchen.

Vormittags um neun ist Treffpunkt am Haus eines Verwandten in Kathmandu wo der Bräutigam derzeit wohnt. Von dort setzt sich dann ein langer Zug von Hochzeitsgästen durch das Stadtviertel in Bewegung, begleitet von lauter Musik. Der Zug endet an einem Busbahnhof von wo aus dann etliche Busse die Gäste nach Sanepa, einer Stadt am Rand von Kathmandu, fahren. Dort zieht dann das Hochzeitspaar per Pferdekutsche auf dem Hof eines Partypalastes ein. In der großen Eingangshalle findet nun eine kurze Zeremonie mit Ringtausch statt und dann werden verschiedene Büfetts eröffnet und alle lassen es sich schmecken. Nach der Stärkung findet draußen eine weitere kleine Zeremonie statt, während im Hintergrund die Musik spielt und junge Leute tanzen. Auch ein Hindupriester bereitet unter einem Baldachin eine religiöse Feier vor, wohl eine Pooja, die sehr lange dauern kann.

Zwei meiner Freunde die auch anwesend sind beschließen aber per Taxi nach Thamel zurück zu fahren und ich schließe mich ihnen an, denn morgen früh um 6 möchte ich nach Bhimkhori aufbrechen.