Neuigkeiten aus Amalbas

Die im vergangenen Jahr geplante Reise nach Nepal musste wegen Corona ja leider ausfallen. Daher ist die Seite 2020 bis auf ein paar kurze Einträge leer geblieben.
Das neue Jahr hat auch nicht gerade vielversprechend begonnen und trotzdem hege ich die Hoffnung, vielleicht im Herbst einen neuen Anlauf wagen zu können.
Das Virus scheint ja um Nepal einen großen Bogen zu machen, glaubt man den Pressemeldungen oder dem was ich von meinen Freunden dort höre. „Kathmandu-Post-Online“ berichtet beispielsweise heute (12.04.2021) von 303 Neuinfektionen und von insgesamt 2961 aktiven Erkrankungen. Bei einer Einwohnerzahl von 30 Millionen super Werte. Das Leben in Kathmandu verläuft, von den fehlenden Touristen abgesehen, wie früher ohne Einschränkungen. Schulen, Geschäfte und Restaurants sind geöffnet, Familienfeiern finden statt und der Aufruf der Behörden zum Tragen von Masken wird kaum befolgt. Ich hoffe sehr, dass die dicke Rechnung nicht nachkommt.


Eine sehr erfreulich Neuigkeit habe ich aber aus Amalbas zu berichten. Zuvor muss ich aber kurz auf die Vorgeschichte eingehen:
Nach dem Erdbeben 2015 verschlechterte sich die Wasserversorgung für das Dorf Amalbas qualitativ und quantitativ mehr und mehr. Während unten im Tal die Flüsse reichlich Wasser führen reicht hier oben auf den Hügeln in den Trockenzeiten das verfügbare Wasser nicht mehr aus um die für Mensch und Tier so wichtigen Äcker mit Kartoffeln, Mais, Linsen oder Hirse zu bewässern. Daher plant das Dorf die Versorgung mit Hilfe einer neuen Quelle zu verbessern und hat dazu auch alle notwendigen Maßnahmen (Planung durch ein Ingenieurbüro, Genehmigungen von den Behörden und Beantragung von Zuschüssen) in die Wege geleitet. Bei meinem letzten Besuch habe ich dann auch zugesichert dieses Vorhaben zu berücksichtigen, falls meine Freunde und Bekannten die Spendenkasse wieder so großzügig auffüllen sollten. Die Spendenkasse war dann auch Anfang 2020 auch gut gefüllt, doch wie gesagt konnte ich nicht reisen und das Wasserprojekt konnte wegen Corona auch nicht gestartet werden.


Vor vier Wochen nun erhielt ich von Shyam, meinem Verbindungsmann in Amalbas, die Nachricht dass die Wasserquelle von einem Lama geweiht wurde und die Arbeiten nun beginnen könnten.

Die Projektplanung hat (offizielle) Gesamtkosten von umgerechnet 60 000 Euro veranschlagt, von denen der Staat bisher 10 000 Euro und USAID auch 10 000 Euro ausbezahlt haben. Im Vergleich dazu sind 1 500 Euro Spende von unserer Seite nur ein kleiner Tropfen in das Fass, aber immerhin mehr als zehn Prozent vom Anteil den die Gemeinde als Eigenleistung aufbringen soll.

Am 11. April meldete sich Shyam wieder mit der Mitteilung, dass er soeben 1200 Meter Leitungsrohre auf den Weg nach Amalbas gebracht hat und später weitere 2300 Meter besorgen muss. Das Verlegen einer so langen Wasserleitung in dieser bergigen und felsigen Gegend wird sicher ein schwieriges Unterfangen werden.

Am 14. April meldet sich Shyam wieder mit einer Reihe von Bildern direkt aus Amalbas.
Die Arbeiten an der Quelle und das Verlegen der Wasserrohre sind in vollem Gange. An der Quelle ist die Rückhaltemauer schon fertig, zwei Sammelbecken werden gebaut und die ersten Meter der Rohre sind schon verlegt. Auf den Fotos ist sicher unschwer zu erkennen unter welch schwierigen Bedingungen diese Arbeit stattfindet. Das Gelände ist unwegsam, oft sehr steil und durchwegs felsig und steinig und natürlich ist hier alles in Handarbeit mit einfachsten Mitteln zu bewerkstelligen.
Jeder Dorfbewohner der hier arbeitet wird entsprechend seiner Arbeit und Qualifikation bezahlt. Die finanziellen Dinge werden übrigens alle über eine eigens dazu gegründete und letzte Woche eingetragene NGO (Nichtregierungsorganisation) abgewickelt und sind damit transparent und überprüfbar.

Ich denke Shyam und sein Team leisten wirklich großartige Arbeit und sie sind jetzt schon bald zwei Jahre mit dem Projekt beschäftigt. Shyam ist übrigens kein direkter Nutznießer der Maßnahme. Er ist in Amalbas geboren (bei seinen Eltern wohne ich immer), lebt aber seit langem mit seiner Familie in Kathmandu und arbeitet als Trekking-Guide. Zusammen mit seinem Vater setzt er sich für viele Belange, unter anderem auch die Schule, in der Gemeinde ein.


Die erste Corona-Welle im Herbst letzten Jahres hat Nepal laut offiziellen Zahlen recht gut überstanden. Die zweite Welle, von Indien kommend, hat die Regierung am 29. April nun doch veranlasst einen harten Lockdown vorerst für die nächsten zwei Wochen auszurufen. Lebensmittel dürfen am Morgen innerhalb von zwei Stunden eingekauft werden, ansonsten herrscht Ausgangsverbot. Diese Regelung betrifft Kathmandu-Tal und und Städte in Grenznähe zu Indien.
In Amalbas schreiten die Arbeiten Wasser-Projekt indes voran. Der Auffangbehälter an der Quelle ist fertiggestellt und bei der Verlegung der Rohre wir an zugänglichen Stellen jetzt auch ein kleiner Bagger eingesetzt. Die Maschine auf den Berg zu bringen war vermutlich schon ein Kunststück für sich.

Nachtrag:

Seit heute (10.05.) müsste laut Mandhoj, der die letzten Tage auch beim Verlegen der Rohre geholfen hat, Wasser von der neuen Quelle nach Amalbas fließen. Er war am Telefon glücklich und begeistert, zumal das Wasser "wie Mineralwasser" schmeckt.

 

Ende April habe ich vom Spendenkonto 1500,00 € für das Wasserprojekt überwiesen. Im Bild links ist der derzeitige Kontostand ersichtlich.